Ein Familienwappen lernt Fliegen

… oder wie „moderne“ Kriterien in heraldisch richtiger Form in ein Familienwappen eingebracht werden können.

Familienwappen und Gestaltung

In das Familienwappen sollte das moderne Berufsbild des Wappenstifters, ein Dr. Ing. der Luft- und Raumfahrttechnik, einfliessen. Das bedeutete für uns Fluggerät, Flugzeugflügel, Propeller oder Navigationsgerät als „Gemeine Figur“ oder „Helmzier“ in die Wappengestaltung einzubeziehen.

Der Wunsch des Wappenstifters wurde durch seine Fähigkeiten und Hobbies, wie die Fliegerei und das Steuern von Segel- und Motorbooten, unterstrichen. Als weitere Bestandteile des Wappens sollten natürlich auch die Familiengeschichte berücksichtigt werden. Herkunft und Berufsstände der Vorfahren spielten dabei eine wesentliche Rolle.

Die Helmzier

Für das Steuern von Wasser- und Luftfahrzeugen waren schon immer Navigationsgeräte und der Sternenhimmel notwendig. Als heraldisches Stilelement wählten wir hier eine Windrose aus.

Die Herausforderung waren nun die Flügel. Als Helmzier, bot sich hier der Einsatz eines Flügelpaares, wie häufig in der Wappenkunst verwendet, an. Der Wunsch des Stifters war jedoch eindeutig: Es sollte kein „Federvieh“ sein. Wir sollten eine Darstellung entwickeln, die den Betrachter eher an konstruierte Flügel denken lassen sollte. Es war die Absicht, Gleitflügel eines sogenannten „Normalsegelapparats“ oder „Einmann-Gleitseglers“, wie schon von Otto Lilienthal entwickelt, darzustellen. Hier stießen wir an die Grenze des machbaren, was den heraldischen Katalog der „gemeinen Figuren“ anging.

In einem „heraldisch korrekten“ Familienwappen findet modernes Fluggerät und Avionik keinen Platz. Die Suche nach einem ursprünglicheren Symbol begann, denn schließlich wollten wir dem Wunsch des Stifters entgegen kommen. Was lag hier näher, als die Flügel eines Einmann-Seglers, die konzeptionell sehr stark an die Struktur von Fledermausflügeln oder Vogelschwingen erinnern, zu zeigen. Bekannt sind diese von Leonardo da Vincis Skizzen (Teil-Abb. Oben). Der Entwurf der Schwingen erinnerte zudem an Drachenflügel, die man gerne in Zusammenhang mit Rittertum und dem Mittelalter sieht, deshalb konnte man sie auch später in der Symbolerklärung verwenden.

Das Flügelpaar kann man als Betrachter am Ende sowohl als ausgeprägte Flügelknochen, als auch konstruierte Streben deuten. Die facettierte silberne Windrose wurde mittels eines Rings zwischen das Flügelpaar eingestemmt, um als Verbindung zwischen den Flügeln zu fungieren.

Das Wappenschild

Die Berufsstände der ersten bekannten Vorfahren waren Ackersmann und Landwirt. Um dies aufzugreifen, wählten wir hier zwei entgegenlaufende, stilisierte Pflüge. Das Heroldsbild zeigte dabei die angedeutete Form des Anfangsbuchstabens des Familiennamens.

Über das klassische Wagenrad, das in der Heraldik zumeist für Berufsstände wie die des Stellmachers oder Wagners steht, transportierten wir zudem die technischen Entwicklungen der Menschheit. Sozusagen vom Wagen über den Pflug bis hin zum modernen Fortbewegungsmittel. Eine „Gemeine Figur“ hatte ihren Platz im Familienwappen gefunden.

Mit der gesamten Farbgebung und den wechselseitig tingierten Bogenbalken wurde der Bezug zur geografischen Herkunft der Familie hergestellt. Die Wappenfarben der Wahlheimat des Wappenstifters stimmen ebenfalls überein.

Durch die Kombination von gemeiner Figur, Heroldsbild und Helmzier, konnten wir eine Brücke zwischen dem Wunsch des Wappenstifters und den Rahmenbedingungen der Heraldik schlagen. Es wurde ein Familienwappen gestaltet, das allen heraldischen Anforderungen gerecht wird.

Die Eintragung in die Deutsche Wappenrolle erfolgte im April 2015.

 

© Holstein Salahor Wappengestaltung

 

 

 

 

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2019-03-04T17:52:10+02:00Dienstag, Oktober 20, 2015|