Das Wappen und Siegel von Brunsbüttel, Kommunalwappen im Kreis Dithmarschen und der Heraldiker „W.H.L.“

Sobald die ersten frühlingshaften Tage es möglich machten reiste ich Anfang März nach Brunsbüttel, um dort meinen Freund und Künstler Jens Rusch in seinem Atelier zu besuchen. Da wir erst am Nachmittag verabredet waren, nutzte ich die Zeit für einen heraldischen Ausflug um die Kommunalwappen im Kreis Dithmarschen kennenzulernen. Nach einem Sparziergang auf dem Deich in Brunsbüttel und im alten Stadtkern um die Jakobuskirche herum, fuhr ich ins Dithmarscher Landesmuseum nach Meldorf. Der Besuch hat sich gelohnt. In einem sehr schönen alten Gebäude wird die Geschichte Dithmarschens sehr anschaulich dargestellt.

Familienwappen auf Fensterglas, Landesmuseum Dithmarschen

Die dithmarscher Städte und Gemeinden entwickelten sich aus den Kirchspielen der Bauernrepublik. Nur Meldorf konnte bereits im Mittelalter eine städtische Struktur herausbilden.

Die Stadt Heide entwickelte sich in der Neuzeit zum Konkurrenten Meldorfs. Weitere Bedeutung hatten Wesselburen und Wöhrden als Zentren der Nordermarsch. Infolge der Annexion Schleswig-Holsteins durch Preußen erhielten die wichtigeren Orte im späten 19. Jahrhundert das Stadtrecht und schieden so aus den Kirchspielen aus. Das alte Dorf Brunsbüttel und die im Zuge des Kanalbaus geschaffene Stadt Brunsbüttelkoog wurden 1970 zur Stadt Brunsbüttel vereinigt.

Willi Horsa Lippert

Der Kunsterzieher und Künstler W.H. Lippert, geboren am 12. November 1898 in Rathenow lebte viele Jahre in Brunsbüttel. Besonders wurde W.H.L. auch als Heraldiker bekannt, denn er entwarf das amtlich anerkannte Wappen und Siegel der Stadt, was zu großer Nachfrage führte. So schuf „Horsa“, wie er sich selbst nannte, für weitere Städte und Familien insgesamt etwa 240 Familienwappen und Kommunalwappen. Der Entwurf für das nachfolgende Kommunalwappen, führte am 31. Oktober 1951, zur Eintragung der Stadt Brunsbüttel in die Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holsteins. Willi Horsa Lippert war aber auch bekannt für große Wandgemälde und das „Notgeld“. Weitere Informationen dazu in seiner Biografie und in der Galerie.

Die beiden nachfolgenden Fotos der Original Entwürfe wurden vom Heimatmuseum Brunsbüttel zur Verfügung gestellt.

Die Original Blasonierung (Wappenbeschreibung) von W.H. Lippert zum Wappen von Brunsbüttel lautete:
„In Rot ein silberner Schräglinks-Wellenbalken, belegt mit einem, durch einen Spaten gekreuzten Anker in vertauschten Farben.“

Wir finden, diesen Entwurf sehr gelungen! Er zeigt großes gestalterisches Können und setzt den heraldischen Anspruch „Pars pro toto“ (Ein Teil für das Ganze) professionell um. Der Wellenbalken stellt den 1895 eingeweihten Nord-Ostsee-Kanal dar. Die geographische Lage der Stadt auf beiden Kanalufern wird deutlich und der Anker als Hauptfigur im Wappen vertritt nicht nur die Seefahrt sondern verweist auch auf die günstige Lage der Stadt. Der Spaten im Wappen hat doppelte Bedeutung. Er zeigt den bedeutenden Deichbau Brunsbüttels und die landwirtschaftliche Orientierung der ehemaligen Kirchspielsgemeinden. Die Farbgebung nimmt Bezug auf Dithmarschen und Holstein.

Die Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein zeigt viele Wappen von W.H. Lippert. Gut erklärt ist dort die Wappenlandschaft Schleswig-Holsteins wie auch die Kommunalheraldik. Hier einige weitere Kommunalwappen-Beispiele mit Blasonierung:

Kreiswappen Dithmarschen, W.H. Lippert

In Rot auf silbernem galoppierenden Pferd mit goldenem Sattel, goldenem Zaumzeug und blauer Satteldecke ein golden gerüsteter, ein silbernes Schwert über dem Kopf schwingender Reiter mit silbernem Helmbusch (links).

Wappen der Stadt Heide, W.H. Lippert

In Rot der barhäuptige, silbern gerüstete Ritter St. Jürgen, der auf dem Leib eines auf dem Rücken liegenden silbernen Drachens steht und seinen Speer in den Rachen desselben stößt. Rechts wird der Ritter von einem aufgerichteten Anker und links von einem Heidebüschel begleitet. Das Haar, der Gürtel, die Sporen und der Speer des Ritters, die Augen des Drachens, der Anker und die Wurzeln des Heidebüschels sind golden, während das Heidebüschel selbst grün und dessen Blüten lila tingiert sind (rechts).

    

Wappen Gemeinde Burg, Kreis Dithmarschen, W.H. Lippert

In Silber auf goldenem, mit zwei blauen Wellenbalken belegtem Dreiberg eine zweitürmige rote Burg mit geschlossenem blauen Tor, darüber zwei ins Kreuz gestellte blaue Schlüssel (links).

Gemeinde Sankt Michaelisdonn, Kreis Dithmarschen, W.H. Lippert

In Blau ein barhäuptiger, bärtiger Mann (St. Michael) mit blondem Haar in goldener bäuerlicher Kleidung, der einem auf dem Rücken liegenden, rotbewehrten goldenen Drachen eine Lanze mit goldenem Schaft und einem silbernen Sensenblatt als Spitze in den Hals stößt und oben rechts von vier ins Kreuz gestellten goldenen Windmühlenflügeln begleitet wird (rechts).

  
Bedanken möchte ich mich bei Jens Rusch – Dithmarschen-Wiki, Robert Ladage – Heimatmuseum Brunsbüttel, Günther Schneider aus Rathenow – Biografie W.H.L. und bei Elke Strang – Landesarchiv Schleswig-Holstein und dem Landesmuseum Dithmarschen in Meldorf.

© Michael Holstein, Holstein Salahor Wappengestaltung

 

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